Vor ein paar Monaten zeigte uns Thomas Wolkinger eine Reportage, die uns begeisterte. Eine große Gruppe hatte daran gearbeitet und vielfältige, innovative Präsentationsmöglichkeiten integriert. Aufgrund der unterschiedlichen Fähigkeiten war eine vielschichtige und interaktive Website entstanden. Inspiriert beschlossen wir uns zusammen zu tun und auch gemeinsam etwas zu erarbeiten.

Beim ersten Treffen der frisch gebildeten Gruppe bestehend aus Sabrina, Cosima, Stefan und Hannah galt es nun, ein Thema zu finden. Stefan wollte anlässlich des 70-jährigen Jubiläums der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte dieses Thema aufgreifen, Hannah wollte wegfahren und alle waren ohne zu zögern dabei! Und wohin? Ungarn. Gut, Ungarn also. Warum? Warum nicht?!
Es folgten die fast schon zur Routine gewordenen montäglichen Treffen. Die ersten Stunden verbrachten wir damit, einen Blog zu erstellen, eine Email-Adresse anzulegen und Unmengen an Zeitungsartikeln zu lesen und zu diskutieren. Vor der kommenden Lehrveranstaltung bei Thomas Wolkinger – „Mobile Journalism. Die besten Geschichten liegen auf der Straße“ – war unklar, ob wir mit unserem Vorhaben auf Begeisterung oder Kopfschütteln stoßen würden. Zum Glück begegnete uns ersteres, Thomas Wolkinger – unser persönlicher Fixer 😉 – unterstützte uns mit einer Liste an Kontaktpersonen und gutem Zuspruch. Das motivierte uns sehr! Wie wild wurden Emails verfasst und Facebook-Nachrichten verschickt, Fragen gestellt, diskutiert und wieder verworfen. Das Themenfeld musste reduziert und realistisch geplant, die Unterkunft gebucht, Termine eingeteilt und Aufgaben aufgeteilt werden.
Die Zeit verging schneller, als gedacht. Nun sind wir wieder zurück in Graz. Unsere anfänglichen Gedanken, diesen Forschungsaufenthalt auch mit ein paar „angenehmen“ Dingen wie einem Thermenbesuch oder einem Konzertbesuch zu verbinden, schafften wir natürlich nicht, dafür entstanden viele kleinere und größere Blog-Einträge.
Sonntag 16:00 Uhr. Wir treffen uns vor dem Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, unserer Homebase quasi… Wir gehen durch, worüber wir noch schreiben wollen. Vieles wurde erledigt, wir haken ab; auf unserem liebgewonnenen, bunten Etherpad befinden wir uns jetzt schon bei Zeile 2130… Offen bleibt: Ein Porträt von Daniel Mayer – okay, das schaffen wir. Dann noch ein Resümee zum Abschluss.
Was haben wir gelernt, von unserem Ausflug, der zugleich einer nach Budapest und einer in den Journalismus war? Was zeichnet uns als Kulturanthropolog*innen aus, was können wir vom Journalismus lernen? Und was kann er von uns lernen? 😉
Vermutlich haben wir nur eine vage Vorstellung davon bekommen, wie journalistisches Arbeiten aussehen könnte. Von einem Ort zum anderen, von einem Termin zum nächsten und zwischendrin #NudelnmitPesto in der Wohnung. An vielen Orten sein, aber eigentlich wenig mitbekommen. Wenig spüren, von den Menschen, dem Ort, dem Platz, der Straße. Das Alltagsleben der Menschen kaum wahrnehmen, aber auch keinen touristischen Lifestyle führen. Dafür viel Zeit in der redaktion-gewordenen Wohnung verbringen und recherchieren, schreiben, transkribieren, diskutieren, produzieren. Es machte Spaß, sich mit verschiedenen sprachlichen Ausdrucksweisen zu spielen und das universitäre Korsett zu sprengen, auch, wenn wir uns dabei manchmal etwas verloren vorkamen.
Wir haben gelernt, dass das Arbeiten in der Gruppe wahnsinnig produktiv sein kann und großen Spaß macht. Unterschiedliche Lern- und Arbeitsweisen trafen aufeinander, wir lernten mit- und voneinander. Klar, manchmal ist man genervt, auch von sich selbst und sowieso und überhaupt. Aber das macht nichts, denn am Ende wird ja doch wieder gemeinsam gelacht und das Erlebte und Erarbeitete steht im Vordergrund und überstrahlt die dunklen Stunden…

Wie also schätzen wir nun nach knapp fünf Tagen vor Ort die politischen Entwicklungen in Ungarn ein? Jetzt, wo sich das Feld uns etwas geöffnet hat und wir uns der Komplexität bewusst wurden, trauen wir uns fast nicht mehr, darüber zu urteilen. Doch soviel sei gesagt: Was in Ungarn passiert geht uns alle etwas an und wir sollten wachsam sein, jedoch nicht voreilig unser Nachbarland verurteilen. Zu gerne wird von den eigenen Defiziten und Problemen abgelenkt, indem man auf die der anderen hinweist…

Außerdem bleibt die Erkenntnis: Es kommt so sehr drauf an, zu welcher Zeit man an welchem Ort ist. Wenn Hannah nicht noch länger geblieben wäre und die große Demo nach der relativ unspektakulären Kundgebung mitbekommen hätte, wären wir mit einem ganz anderen Eindruck und Gefühl heimgefahren. Also auch das ist Journalismus – ein perspektivischer Ausschnitt.
Und manchmal nehmen wir auch einfach nur das wahr, was wir wahrnehmen wollen…

Cosima stellt fest: „Ein blinder Fleck auf der Landkarte hat etwas Farbe bekommen. Auch wenn sich die ständig ändert.“ Vieles bleibt offen und weckt Neugier.























