Some thoughts

„CEU. Hungarian Academy of Sciences. 
Gender (faculties). Népszabadság. Magyar Nemzet. 

I will not continue. We understand.

This is enough. 

These are not random, isolated, one-off events.

These are all details of a coherent, grandiose plan.
Raise the bet. Adaption. Dampening the sense of reality.
Leads well in one direction.
No stopping.
Like a falling body in the air. 

Beloved Hungary!

Here and now, before our eyes, the last remnants of the pulsating, bulging, breathing intelligentsia are cut off.
Basic operation of totalitarian systems.
Decapitating the alternative and critical thinking.

The end.“


From Kata Tisza, a Hungarian writer 

(Translated, for original see: https://www.facebook.com/kata.tisza.16)

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Freies Land! Freie Wissenschaft!

Auch heute, am 12.2.2019, kam es zu einer Versammlung in Budapest. Student*innen, Lehrer*innen, Wissenschaftler*innen und Personen verschiedenster Hintergründe fanden sich vor der Akademie der Wissenschaften (MTA, ungarisch Magyar Tudományos Akadémia) ein, um gegen die Pläne der Regierung, welche durch einen Beschluss die vollkommene Kontrolle über die Finanzierung und damit die Arbeit der Universität erlangen will, zu protestieren. Hinter dem Beschluss steht vor allem Laszlo Palkovics, der amtierende Technologieminister. Die MTA hatte die Wahl, den Einfluss des Ministeriums zu akzeptieren, oder sich dagegen zu wehren und eine mögliche Gefährdung von Forschungsprojekten hinzunehmen. Die Veranstalter*innen der Demonstration riefen dazu auf, sich gegen 13:00 am Platz vor der MTA zu versammeln und Bücher, welche einem wichtig erscheinen und Aspekte der ungarischen Forschung repräsentieren, mitzunehmen. Zahlreiche Menschen fanden sich ein und hoben die Bücher als Zeichen des Widerstandes in die Luft. „SZABAD ORSZÀG SZABAD TUDOMÁNY`“, „Freies Land, freie Wissenschaft“, wurde laut bekundet. Als László Lovász, Präsident der Akademie das Gebäude verließ, brach die Menge in Jubel aus. Später wurde rund um das Gebäude der Akademie der Wissenschaften eine Menschenkette gebildet. Die MTA verdient unsere vollkommene Unterstützung, die geplanten Maßnahmen der Regierung stehen im Gegensatz zu den europäischen Grundwerten der freien Wissenschaft. Auf eine angemessene Reaktion der EU bleibt zu hoffen.

Mehr Fotos auf Seite 2.

Eindrücke der Demonstration am 10.2.19 in Budapest

„O1G“ wurde zum Zeichen des Protests gegen die vierte Orbán-Regierung. Übersetzt bedeutet es „Orbán ist ein Arschloch“.

Gestern hielt Viktor Orbán eine Rede zur Lage der Nation. Im Anschluss fand eine Kundgebung der Regierungsgegner vor der Buda Burg (Burgpalast) statt, wie uns Daniel Mayer in unserem Gespräch wissen ließ. Nach den Verkündungen marschierten die Protestierenden zum Hauptsitz des staatlichen Rechnungshofes, der die Oppositionsparteien in der Vergangenheit immer wieder mit hohen Geldstrafen belegte. Zunächst kam das Gefühl auf, dass sich relativ wenig Menschen versammelt hatten, um den Reden der Opposition zu lauschen. Wir stellten uns die Frage, warum der Altersdurchschnitt um einiges höher als gedacht war. Wir rechneten mit jungen Menschen, doch vor allem Personen mittleren und höheren Alters hatten sich eingefunden. Ein Mann erzählte, dass die Demonstration wohl schlecht organisiert sei. Anfangs hätten viel mehr Personen teilgenommen. Ist die Welle an Demonstrationen vorbei? Cosima, Sabrina und Stefan mussten gehen, um rechtzeitig ihren Zug nach Graz zu erwischen. Ich blieb. Dann begann der Marsch, immer mehr Menschen fanden sich ein, die Stimmung veränderte sich. Fahnen der rechtsradikalen Jobbik, der sozialistischen MSZB und demokratischen Koalition fanden sich nebeneinander auf der Straße. Es wurde gepfiffen, geschrien. Ich verstand nur wenig von dem Gesagtem. „Diktator! Diktator! Fidesz Mafia!“ Der Marsch dauerte eineinhalb Stunden, ich war beeindruckt vom Durchhaltevermögen der älteren Personen. Lauthals kündigten sie ihren Widerstand an, zwischendurch vernahm ich ein solidarisches Lächeln. Am Rechnungshof angekommen wurden Sticker auf das Gebäude geklebt, „FIDESZ PÁRTSZÉKHÁZ“ ist auf ihnen zu lesen. Übersetzt bedeutet das „Parteisitz der Fidesz“. Mein Begleiter sagte, „Da hast du die jungen Leute“, und deutete auf die Polizisten, welche rund um das Gebäude standen. Glühwein und Brezeln wärmten die Menschen auf der Straße, Flugblätter wurden in Umlauf gebracht. Dann löste sich die Menschenmenge wieder auf. 

„Parteisitz der Fidesz“ – so wird der ungarische Rechnungshof von den Regierungsgegnern bezeichnet.
An diesem Tag wurde „O1G“ an die Wände des Rechnungshofes projiziert.
Eine Demonstrantin mit Schild, dahinter verschiedene Fahnen, unter anderem die der rechtsradikalen Jobbik.
Polizisten vor dem Rechnungshof.

Mehr Fotos auf Seite 2.

Protest – Akt des Politischen Handelns 

Proteste und Demonstrationen zeigen in ihrer „Verwendungsart“ vielfältige Gesichter. Sie können aus linker oder linksradikaler Überzeugung, rechter oder rechtsradikaler Gesinnung heraus entstehen, oder aus einer Bürgerinitiative gegen staatliche Planungen und Maßnahmen. Protest wird heute als Akt des politischen Handelns anerkannt. Sebastian Haunss zufolge, hat [d]ie Veralltäglichung des Protests […] aber auch dazu geführt, dass die Hoffnungen, die noch in den 1970er Jahren mit den neuen sozialen Bewegungen verbunden wurden, inzwischen weitgehend verblasst sind“. Hier wäre zu fragen, ob  es nicht im Jahr 2018 zu einer Veränderung gekommen ist.

In Frankreich gehen die Menschen – die Gelbwesten – seit Wochen auf die Straße, auch in Österreich gibt es seit Oktober 2018 wieder Demonstrationen gegen die derzeitige Regierung und auch in Ungarn zeigt sich auf den Straßen Protest. Auslöser war das neue Arbeitsgesetz – das Sklavengesetz, wie es von den Menschen vor Ort genannt wird. In dieser neuen Gesetzgebung ist es in Ungarn nun erlaubt, dass die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber, anstatt wie bisher 250 Überstunden, 400 Überstunden verlangen können. Die Demonstrationen richten sich aber auch gegen andere Missstände in Ungarn. Am 12. Dezember 2018 zogen nach der Verabschiedung des Sklavengesetzes die Menschen, die Oppositionen und die Gewerkschaften gemeinsam durch die Straßen. Wie aus den Berichterstattungen zu lesen ist, hatte sich eine Gruppe Oppositionsabgeordneter Zugang zum Gebäudekomplex des staatlichen Fernsehens gemacht. Sie wollten, dass die Fünf-Punkte-Erklärung verlesen wird, wurden aber, bevor die Petition verlesen werden konnte, aus dem Gebäude entfernt. In der Fünf-Punkte-Erklärung werden die „Widerrufung des Arbeitszeitgesetzes, eine unabhängige Justiz, weniger Überstunden für die Polizei, Anschluss an die Europäische Staatsanwaltschaft und unabhängige Staatsmedien“ gefordert. 

Die Proteste haben sich in Ungarn landesweit ausgedehnt und sind somit kein „Budapester Phänomen“ mehr, das für die Regierung als ein warnendes Zeichen wahrzunehmen sei, schreibt der Politikwissenschaftler und freie Journalist Balazs Csekö . Anna Donáth, Vizechefin der Momentum-Bewegung und führende Aktivistin der Protest-Bewegung in Ungarn, rief im Jänner 2019 das „Jahr des Widerstands“ aus. 

Quellen:

Sebastian Haunss: Die Bewegungsforschung und die Protestformen sozialer Bewegungen. In: Klaus Schönberger, Ove Sutter (Hg.): Kommt herunter, reiht euch ein… Eine kleine Geschichte der Protestformen sozialer Bewegungen. Berlin/Hamburg 2009, S. 30-45, hier S. 30-31.

https://www.derstandard.de/story/2000095716202/die-wut-der-ungarn

https://www.freiheit.org/viktor-orban-im-jahr-des-widerstands

Utopie für das Auróra 

Für Daniel Mayer ist das Kulturzentrum Auróra mehr als eine coole Location urbaner Kultur. Das Auróra ist ein Zentrum für Vielfältigkeit, in dem Kommunikation und Dialog stattfindet. Es ist ein Vernetzungsraum für Menschen. Wenn sich Mayer eine Utopie für das Auróra ausmalt, dann sieht er ein Weiterziehen. Ein größeres Gebäude, in dem noch mehr Menschen zusammenfinden können. „Es soll zu einem Establishment werden und dazu beitragen, dass sich in Ungarn ein großes Netzwerk bildet.“
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An der Bar des Auróra
Ein_Gang zum Auróra

Meeting Daniel Mayer

Alle Fäden in der Hand

Samstag, 10. 2. 2019, 18:00. Den ganzen Tag Redaktion im Airbnb, die Wohnung kaum verlassen, die Nerven liegen blank. Ist es wirklich schon so spät? Nichts wie los ins „community center“ Auróra, zu Daniel Mayer. Er bezeichnet sich selbst als „Fixer“, „Stringer“, oder „Field Producer“. Das ist journalistischer Jargon und bedeutet, dass er die Fäden in der Hand hält, wenn es darum geht, Leute zusammen zu bringen. Fixer sind die perfekten Mittelsmänner für Journalist*innen, Vice bezeichnet sie gar als „das Herzblut des unabhängigen Journalismus“. Mayer lässt sich jedoch nicht auf diese Bezeichnung reduzieren. Er ist außerdem in der Produktion von Theater tätig und engagiert sich im Kulturzentrum Auróra, wo unser Interview stattfinden soll. Im Auróra angekommen, bestellen wir uns müde  Getränke an der Bar und machen es uns auf einer Couch bequem. Die Athmosphäre ist nett, Menschen unterhalten sich, die Stimmung steigt. Eineinhalb Stunden nach unserer Ankunft taucht Mayer auf und besorgt die Schlüssel zu einem kalten Raum. Uns wird erklärt, dass hier normalerweise gebetet wird. Dort ist es leiser als in der Bar und wir können uns in Ruhe unterhalten. Zwischen einem Drucker, einem alten Fernseher, einer Couch, einem Bücherregal und einem Flipchart ohne Papier nehmen wir Platz. Eine Stunde lang lässt sich Mayer kaum stoppen, holt weit aus und erzählt und erzählt und erzählt: Über die Vergangenheit und Zukunft des Auróra, die aktuellen Demonstrationen, seine Arbeit als Fixer und die Medienlandschaft in Ungarn. 

Die Wände des Kulturzentrums Auróra.
Der Innenhof.

Podcast mit Marius Dragomir


Ein Podcast mit Marius Dragomir, dem Direktor des Centers for Media, Data and Society auf der Central European University in Budapest. Neben seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit an der CEU war er an der Gründung des Onlineportals Media Monitor (http://mediapowermonitor.com) beteiligt. Dort schreibt Dragomir gemeinsam mit einer Gruppe von Journalist*innen, Autor*innen und Wissenschaftler*innen über die Situation des unabhängigen Journalismus und die enge Beziehung zwischen Medien und Machtverhältnissen. Über die ungarische Medienlandschaft stellt er fest: „It’s quite disastrous.“ Was genau er damit meint, erfährt ihr hier im Podcast. Wir sind jedenfalls beeindruckt von Marius Dragomirs Expertise. Im Podcast lernt ihr aber auch eine ganz persönliche Seite des Wissenschaftlers kennen. Zum Beispiel, wie es dazu kam, dass er als sechzehnjähriger Teenager ein Interview mit Michael Jackson führte.